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Sonntag, 10. Juli 2016

Der Erzdrach und das trübe Licht


Bei den Sagensammlungen von Emmi Böck weiß ich nach dem Lesen nicht so recht ob sich das Buch unter den Sagenbänden oder unter der Ufoliteratur wohler fühlen würde. Viele Überlieferungen haben einen ufologischen Touch! 
Unter dem Titel „Das trübe Licht“ wird auf Seite 77/78 von „Sagen und Legenden aus Eichstätt“ folgendes aus Großnottersdorf berichtet: 
Es war um 1925. In Thalmässing fand ein Ball statt. Dazu waren viele Großnottersdorfer Burschen eingeladen. An dem Abend wurde es sehr spät. 
Auf dem Heimweg trennten sich einige. Einer schlug hinter Waizenhofen eine Abkürzung ein. Querfeldein marschierte er seiner Heimat Großnottersdorf zu. Dieser Weg war nicht mit Fuhrwerken zu befahren und sehr einsam. 
Gerade war der Bursche an einem Wald vorbeigekommen, als ein schwebendes Licht im gleichbleibenden Abstand vor ihm her zog. Er wollte es aus der Nähe betrachten. Darum rannte er, so schnell er konnte. 
Da schwebte das Licht plötzlich in die Höhe, und er konnte es nicht erreichen. Danach war es verschwunden. Mehrere Knechte und Dirndl berichteten, dass dieses sonderbare Licht im Haus vom Schneider-Sepp – ‚beim Hintergüller’ – schon mehrmals gesehen wurde, wenn man abends die Treppe hochstieg [...]“. 
Mein Gedanke, dass diese Lichter „Überwachungsaufgaben“ hatten wird damit irgendwie bestätigt, denn sie tauchten im Freien als auch in Häusern auf. Interessant ist das „intelligente“ Verhalten auf die Annäherung des Zeugen – das „UFO“ hob einfach ab, diesmal ohne „Elektroschock“!
Etwas merkwürdig, fast schon „präastronautisch“ (man denke an die chinesischen Drachenüberlieferungen!) kommt der „Erzdrach“ aus Konstein daher: 
Bei Konstein ist der Drachenstein, ein hoher Felsen im Tal, auf dem nur ausgebranntes Gras ist. Solche Plätze heißt man „Alberfleck“. Dies tut der Erzdrach in der Nacht, wenn er umherfliegt und sich dann hinsetzt [=CE²-Reporte!]. […] Dieser Erzdrach hält sich nur in den tiefsten Klüften der höchsten Berg- und Felsenspitzen auf, wohin man nicht leicht kommen kann. Seine Nahrung ist Erz, das er zu Gold schmilzt. […] Wenn der Alber fliegt, rötet er die Gipfel der Felsen. Der Glanz dauert eine halbe Stunde. Dann fliegt er wie ein feuriger Klumpen mit feurigem Schweif. Er fliegt nur abends und in der Nacht“ [S. 95] .
Weitere Orte an denen Lichtphänomene auftraten (oder noch auftreten?): 
► Bieswang: “Etwa eineinhalb Kilometer vom Suffersheimer Kirchlein entfernt, ist zwischen der Hammer- und Flemmühle am Abhang der Gunthildis- oder Geisloher Leite ein mit Gras bewachsener Platz. […] …soll man hier zu gewissen Zeiten ein Licht erblicken“. [S. 24] 
► Dollnstein: „Eine Nachbarin von mir – die ist schon lange gestorben -, die hat im Pfarrhof immer so ein feuriges Licht gesehen […]“. [S. 41] 
► Wintershof: „Seit uraltem Gedenken erscheint in der Adventszeit auf der Straße zwischen Wintershof und der ‚Lüften’ ein helles Licht. Es fliegt immer wellenförmig den Gangsteig entlang bis an die Kapelle und verschwindet beim Morgengeläut“. [S. 164] 
Aus Pfahldorf überlieferten zwei Zeugen ihre Sichtungen. Der O-Text ist in Mundart abgefasst und von mir übersetzt worden: 
► „Irrlichter habe ich schon selber gesehen. Ich bin einmal vom Holz, vom ‚Birnhof’, den Stadtweg von Eichstätt her rein. Wie ich da vom Wald auf die Wiese gekommen bin […], da kommt ein Licht daher. Brennt auf etwa einem Meter Höhe. […] Ich habe [=sonst] nichts gesehen und gehört, und niemand ist gekommen. Dann ist es über das Feld rüber zum Hirnstetter Weg und ein Stück auf der Schafhauser Straße dahin, und dann ist es ausgelöscht“. [S. 125] 
► „Einmal bin ich zum Hermann rauf und habe gefragt ‚Was ist das für ein Licht?’ Da habe ich immer zwei gesehen gegen den Pollnfelder Weg hin. Die sind dort im Holz ausgelöscht. Das habe ich selbst gesehen!“. [S. 125] 
Resümee 
In den Anmerkungen zu den Sagen finden sich zwei interessante Hinweise. Bekanntlich bewegen sich die Lichterscheinungen entlang von Straßen, so wie es heute auch bei den modernen UFOs der Fall ist [=Strippenzieher der Orthoteny]. Offenbar spielte dieser Umstand auch früher eine Rolle: 
Kreuzwege, aber auch Wegscheide (Gabelungen) sind im Volksglauben hervorragende Geister- und Zauberstätten. Das wilde Heer zieht darüber weg“. [S. 239] 
Und die Lichtphänomene [=in Sagentexten ‚Irrlichter’] begannen erst im 16. Jahrhundert massiv aufzutreten: 
Die Antike kennt das Irrlicht kaum, aber auch bei uns ist die Vorstellung […] erst seit dem 16. Jh. bezeugt…“. [S. 246]