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Samstag, 30. Juli 2016

Geheime Reichssache
Der Kriminalfall Bruno Lüdke

Vor ein paar Tagen lief auf Phoenix ein Dokumentarfilm über den Kriminalfall Bruno Lüdke: 
In der Weimarer Republik und im ³Reich trieb ein Massenmörder sein Unwesen, der zwischen 49 und 84 Menschen im gesamten Reichsgebiet getötet hatte! 
In der Regel waren Frauen seine Opfer, die vor ihrer Ermordung vergewaltigt worden sind. Gefasst wurde der bei seiner Mutter lebende Gelegenheitsarbeiter Bruno Lüdke [=nach einem Unfall in Kindertagen geistig zurückgeblieben], der für ein paar Zigaretten und nette Worte jedes Geständnis unterschrieb, welches man ihm vorlegte. Die Geschichte kann hier bei Wikipedia nachgelesen werden! 
Bekanntlich stehen aber die interessantesten Informationen in Büchern. Zum Thema erschien ein Werk mit dem Titel „Nachts wenn der Teufel kam“ von Will Berthold. Es enthält auf Seite 100 ein paar interessante Anmerkungen: 
„…steht außer Frage, dass die Polizei bewusst die Akten gefälscht hat, dass sie einen Mörder begünstigte… […]. Dass sie planmäßig darauf verzichtete, ihn zu verfolgen. Dass sie ihn weitermorden ließ […]. […] Auch das Reichskriminalpolizeiamt wusste von der Begünstigung. Vielleicht erfolgte sie auf höhere Weisung“.  
Die Polizei unterstand damals der SS. Nur von dieser konnte eine entsprechende Weisung kommen, nur diese konnte es zulassen dass ein Verdächtiger dem „angeborener Schwachsinn“ attestiert worden ist, als „Alibitäter“ beseitigt wurde.  
Schützte man einen Mann aus den eigenen Reihen oder einen anderen Promi aus dem System?
Auf Seite 154 steht hierzu bestätigend: 
Himmler verfügte sofort, dass der Fall Lüdke als ‚Geheime Reichssache’ behandelt werden muss. Auf eine auch nur fahrlässige Indiskretion steht Todesstrafe. Der eiserne Vorhang ist über den Frauenmorden heruntergegangen“.
Weiter heisst es: „31 Mordtaten, vorwiegend in den Ostgebieten begangen, dürften aus ‚Sicherheitsgründen’ nicht weiter verfolgt werden“. [S. 211] 
Wenn man sich vorstellt, dass im ³Reich selbst kleinste Verbrechen scharf geahndet worden sind, ist die Vorstellung geradezu grotesk, dass man Ermittlungen bei Mordfällen „von oben“ unterband. 
Unter „normalen“ Umständen wäre das völlig unmöglich gewesen, aber in diesem Falle musste offensichtlich jemand geschützt werden, sicher kein Sonderling aus Berlin-Köpenick! 
Aufgrund der Ähnlichkeit im Vorgehen [den Opfern wurden etwa die Hände wie beim Beten zusammengelegt] kann man tatsächlich von einem Täter ausgehen und nicht von vielen, unabhängigen Mördern. 
Die Aktivitäten des Kriminalkommissar Franz in dem Fall wurden abgewürgt und er an die Ostfront versetzt [sic!], wo er recht bald darauf fiel, was wohl auch Sinn dieser „Anordnung“ war. In einem letzten Fernschreiben an ihn hieß es: 
Sämtliche Ermittlungen sind unverzüglich abzubrechen. Bruno Lüdke ist bis auf weiteres dem Untersuchungsgefängnis in Wien zu überstellen und weiteren psychiatrischen Experimenten zu unterziehen. Der Schlussbericht ist beschleunigt anzufertigen. Weitere Weisung ergeht“. 
Einer der größten Massenmörder der Geschichte trieb sich im ³Reich herum, geschützt von der Führung der SS und dem Reichskriminalpolizeiamt!