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Montag, 3. Juli 2017

Irak: Erster Golfkrieg und ein
bizarres Angebot aus Israel


Derzeit lese ich gerade das Buch „Lügen im Heiligen Land“ von Peter Scholl-Latour. Dort geht der Autor auch auf die Hintergründe des ersten Krieges der USA [und  deren Vasallen] gegen den Irak 1990 ein. 
Bekanntlich hatte Saddam Hussein vor der Besetzung von Kuwait am 2. August 1990 zuvor bei der amerikanischen Botschafterin in Bagdad, April Glaspie, angefragt wie die USA darauf reagieren würden wenn er militärisch gegen das Scheichtum vorgeht. 
Glaspie äußerte (offenbar nach Absprache mit dem Weißen Haus und dem State Department), dass man sich in innerarabische Vorgänge nicht einmischen würde. Hussein nahm diese Aussage für bare Münze und lief in eine Falle. Dieser Vorgang ist bekannt. 
Bekannt ist auch wie der Konflikt zwischen Kuwait und dem Irak entstanden war. Kuwait hatte den Weltmarkt mit Öl geflutet und sich nicht an die Preisabsprachen der OPEC gehalten, der Preis fiel und Bagdad schaute in die Röhre. 
Noch dazu hatte man den Weltmarkt mit IRAKISCHEN Öl geflutet, denn Kuwait hatte unterirdische Ölquellen angebohrt die sich unter bzw. auf dem Territorium des Irak befinden. Auch dieser Umstand dürfte dem interessierten Leser bekannt sein. 
Neu war für mich, dass dieser Ölraub nicht von Kuwait selbst ausbaldowert wurde, viel mehr hatten die Amerikaner ihren Bündnispartner „ermuntert“ dies zu tun. 
Bekanntlich befolgt man am besten Anweisungen aus Washington wenn man nicht einen „Unfall“ erleiden oder weggeputscht werden möchte. 
Da reagierte Kuwait nicht anders als der Irak Jahre zuvor, als nämlich Saddam Hussein von den Amerikanern „ermuntert“ wurde den unliebsamen Iran zu überfallen. 
Man kann Hussein vieles vorwerfen, nicht jedoch dass er Befehlen der USA nicht nachgekommen wäre. Er war nicht mehr als eine Marionette der Amerikaner, die genau das tat zu dem sie von Washington „ermuntert“ wurde. 
Die Sache wurde aber noch bizarrer. Nachdem der Irak geschlagen war unterbreitete Israel – getarnt und geleitet über eine „zionistische Friedensgruppe“ [=Oxymoron]  - Bagdad ein „Angebot“. 
Demzufolge solle der Irak zwei Millionen Palästinenser aus Gaza, Judäa und Samaria „übernehmen“ und „ansiedeln“. Dann würde sich Israel dafür einsetzen dass der Irak wieder in die „Völkergemeinschaft“ [UN?] aufgenommen werden würde und die auferlegten Embargos fallen. [S. 15 bis S. 23]. 
Scholl-Latour selbst stellt die Glaubwürdigkeit der Information in Frage, aber immerhin zirkulierte sie in Regierungskreisen Bagdads. 
Gestützt wird sie auch durch eine – ungefähr zeitgleich – erfolgte Geste von Hussein. Er bot allen Arabern die Staatsbürgerschaft Iraks an, wenn sie dieser bedürfen. 
Die einzige Ausnahme seien jedoch Palästinenser. Da Hussein Verfechter und Propagandist eines freien Palästina war, war dies also keine rote Karte an das geschundene Volk, sondern viel mehr ein politisches Signal an Israel. 
Wie die Sache mit Hussein und dem Irak letztlich ausgegangen ist wissen wir ja…
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Update: Im Buch „Abschied von 1001 Nacht“ fand sich zum Themenspektrum ein weiterer Hinweis: 
Im Mai 1991 tauchte Botschafterin April Glaspie wieder auf. Sie war vor den US-Senat zitiert worden. Dort sagte sie aus, in dem umstrittenen Gespräch Saddam Hussein im Auftrag der US-Regierung vor einem Angriff auf Kuwait gewarnt zu haben. 
Im Juli 1991 aber wurde den US-Senatoren Claiborne Pell und Alan Cranstone die geheime Kommunikation zwischen Glaspie und der US-Regierung zugespielt. Und sie stellten fest: Glaspie hatte den US-Senat belogen. 
Im US-Fernsehen nannten sie Glaspies Aussage betrügerisch und schändlich und versprachen der Sache auf den Grund zu gehen. Dabei blieb es. Zu einer Untersuchung ist es bis heute nicht gekommen.“ [S. 204] 
Auch die Schuld für den ersten Golfkrieg gegen den Iran hatte man Bagdad in die Schuhe geschoben. Tatsächlich allerdings hatten die neuen Mullah-Herrscher in Persien versucht ihren Nachbarn zu destabilisieren und die dort lebenden Schiiten zu einem Aufstand anzustacheln: 
Die selbstbewussten neuen persischen Machthaber waren nicht untätig. Sie begannen, den arabischen Nachbarn politisch zu infiltrieren, ihre schiitischen Glaubensbrüder zu unterstützen und sie in ihrem Widerstand gegen Saddam zu bestärken. Kurz: Für Saddam war der benachbarte Gottesstaat eine ernsthafte Bedrohung“. [S. 192]
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Update: Dr. Daniele Ganser: Der illegale Krieg gegen Irak 2003

1 Kommentar:

wkritiker hat gesagt…

Danke für den Bericht. Das die Ölquellen unterirdisch angbohrt wurden wusste ich noch nicht. Manchmal glaube ich das Böse hat einen Namen: Führungselite der USA!

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