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Samstag, 6. Mai 2017

Schopenhauers Visionen

Derzeitiger Lesestoff ist die Schopenhauer Biographie von Walther Schneider. Die Erstauflage erschien bereits 1937, wobei mir die „flüssige“, moderne Schreibe wohltuend auffällt, in der Regel war die Literatur dieser Jahre eher ungelenk verfasst. 
Es geht – Nomen est omen – um die Lebensgeschichte des deutschen Philosophen (* 22. Februar 1788 in Danzig; † 21. September 1860 in Frankfurt am Main), Autors und Hochschullehrers. 
Die meisten dürften den Exzentriker und Pudelliebhaber noch vom Deutsch- bzw. Literaturunterricht her kennen. 
Neu für mich war dass er zumindest einer Geistererscheinung ansichtig wurde, deren Vorspiel jedoch ein Traum war, in dem er einem vor Jahren verstorbenen Freund „begegnete“. Die Rahmenhandlung war die dass sich der Philosoph gegen Ende 1830 in Berlin aufhielt wo die Cholera ausbrach. Schopenhauer im O-Ton: 
[…], dass ich in der Neujahrsnacht zwischen 1830 und 1831 folgen Traum gehabt, der auf meinen Tod in gegenwärtigem Jahre deutete. 
Von meinem sechsten bis zu meinem zehnten Jahr hatte ich einen Busenfreund und steten Spielkameraden ganz gleichen Alters, der hieß Gottfried Jänisch, und starb, als ich, in meinem zehnten Jahr, in Frankreich war. […] 
Aber in besagter Nacht kam ich in ein mir unbekanntes Land, eine Gruppe Männer stand auf dem Felde und unter ihnen ein erwachsener schlanker, langer Mann, der mir […], als eben jener Gottfried Jänisch bekannt gemacht worden war, der bewillkommnete mich. […] 
Dieser Traum trug viel bei, mich zu bewegen, beim Eintritt der Cholera 1831 Berlin zu verlassen […] wenn ich geblieben wäre, wäre ich an der Cholera gestorben. […] 
Gleich nach meiner Ankunft in Frankfurt hatte ich eine vollkommen deutliche Geistererscheinung: es waren, wie ich glaube, meine Eltern; und deutete an, dass ich jetzt die noch lebende Mutter überleben würde; der schon tote Vater trug ein Licht in der Hand." [S. 239]

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