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Dienstag, 16. Mai 2017

• Sommer 1494 •

In der letzten Woche habe ich meiner Sucht gefrönt und etwas über 50 Bücher gekauft. Gerade fühle ich mich wie ein in einem Süßwarenladen eingesperrtes Kind welches von Nascherei zu Nascherei läuft. ^^ 
Ich hole mir zwar nicht schlechte Zähne, aber zumindest schlechte Augen und jede Lesedisziplin ist dahin da ein Buch nach dem anderen angenagt wird… ^^ 
Eines der „angefressenen“ Bücher ist „Leonardo und das letzte Abendmahl“ von Ross King. Bereits das Intro auf Seite 11 ist ausgesprochen interessant. Es geht dabei um alle möglichen Anomalien die im Sommer 1494 Italien heimgesucht haben: 
In Apulien, unter dem Absatz des Stiefels, stiegen drei feurige Sonnen in den Himmel auf. Weiter oben, im Norden, galoppierten Geisterreiter auf gewaltigen Rössern zum Klang von Trommeln und Trompeten durch die Luft. 
In Florenz hatte ein Dominikanermönch namens Girolamo Savonarola Visionen von Schwertern, die aus Wolken hervorzuckten, und von einem schwarzen Kreuz, das über Rom am Himmel hing. 
Überall in Italien schwitzten Statuen Blut aus, und Frauen gebaren Monster. […] 
Wie der Chronist Francesco Guicciardini später berichtete, hatten die Bewohner Italiens in jenem Jahr unter ‚zahllosen schrecklichen Kamalitäten’ zu leiden“.

Die Verbindung von „Himmelszeichen“ und „Monstergeburten“ ist bemerkenswert, ob es sich dabei um Hybride gehandelt hat? 
Girolamo Savonarola ist übrigens eine ausgesprochen interessante historische Persönlichkeit. Die „Privatoffenbarungen“ denen er ansichtig wurde erinnern mich stark an jene von Hildegard von Bingen [=Terra Mystica] und Jeanne d'Arc [=Jeanne d'Arc und die Chrononauten]. 
Auf das Thema komme ich aber noch gesondert zurück, dazu habe ich auch ein Buch gekauft… ^^
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War Leonardo da Vinci ein “Halborientale”? 
Wer gerne Biographien liest wird recht bald feststellen dass in der Regel ein Autor vom anderen abschreibt bzw. man auch nur Originalquellen nachspürt die bereits irgendwo ausgewiesen wurden. 
Neue Forschungstätigkeit gibt es kaum, vor allem weil Verlage und Autoren oft schnell veröffentlichen möchten da es gerade zum Zeitgeist passt. 
Von daher dauerte es auch ein paar Jahrhunderte bis wirklich NEUE Erkenntnisse zu Leonardo da Vinci vorlagen. Wenn man es genau nimmt bis 2008. 
Damals veröffentlichte der Autor Francesco Cianchi seine Recherchen in Buchform [=“La madre di Leonardo era una schiava? Ipotesi di studio di Renzo Cianchi“] und diese enthielten eine große Überraschung. 
Bekanntlich war der Vater Leonardos der Notar Ser [=Ehrentitel] Piero. Dieser hatte eine Affäre mit einer Caterina aus der nach neun Monaten Leonardo entsprang. 
Das war zu der Zeit nicht ungewöhnlich. Interessant ist jedoch die Abkunft der Frau. „Sklavenhaltung“ war im Italien der damaligen Zeit nicht ungewöhnlich, insofern es sich um Menschen handelte die nicht christlicher Konfession waren. 
Piero hatte eine Erbschaft angetreten. Er erhielt ein Haus und eine zur „Einrichtung“ gehörende Sklavin namens Catarina. 
Dabei handelte es sich zumeist um Türkinnen, Tatarinnen, Zirkassierinnen und anderen Frauen aus Nahost. Das Erbe, der Name der Sklavin, als auch die zeitliche Nähe zur Geburt Leonardos legen nahe dass einer der größten Köpfe der Weltgeschichte der Sohn einer Sklavin war! 
Dies erklärt letztlich auch dass er von seinem Vater nie anerkannt wurde und dieser auch eine große räumliche Distanz zu ihm hielt. 
[Wobei „Halbsklaven“ im Italien des 15ten Jahrhunderts als gleichberechtigte Bürger und Christen angesehen wurden, da ihre Mütter getauft waren und Unfreiheit nicht vererbt worden ist.] 
Die ganze Geschichte wird auch von anderer Seite bestätigt. Der Anthropologieprofessor Luigi Capasso von der Universität Chieti hat sich die Fingerabdrücke Leonardos etwas näher angesehen. 
Diese wiesen „die gleiche dermatoglyphische Struktur – das heißt das gleiche Muster von Schlingen und Wirbeln – auf[…] wie die von Menschen aus dem Nahen Osten“. [Quelle wie oben: S. 35f]
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Der Geisterpalast 
Im Buch erhält man einen ganz guten Eindruck über das Renaissance-Leben im „alten“ Italien und damit verbundene Phänomene. 
Ende der 1480ger, Anfang der 1490ger Jahre nutzte Leonardo den Corte dell'Arengo Palast in Mailand als Atelier. 
Der Bau wurde allgemein als „abweisend“, „düster“ und „bedrückend“ empfunden was mit diversen Geistererscheinungen zusammenhing die dort ihr Unwesen getrieben haben sollen: 
Auf seinen Fluren wandelten die Geister der vielen verrückten und auf tragische Weise ums Leben gekommenen Mitglieder der Visconti-Sippe, wie etwa Luchino, der 1349 von seiner dritten Gemahlin vergiftet worden war, Bernabò, den sein Neffe 1385 gleichfalls mit Gift umgebracht hatte, oder vielleicht auch Francescos Gattin, Bianca Maria, die, wie man sich erzählte, 1468 von Galezzo Maria auf gleiche Weise ins Jenseits befördert worden war." [S. 102]
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Omen 
Bevor der französische König Charles VIII. im Februar 1495 Neapel einnahm, plagten den dortigen König Alfonso als erste Warnzeichen bereits Geistererscheinungen: 
Die schemenhafte Gestalt seines Vaters erschien ihm und sagte ihm großes Unheil voraus. Und auch die Geister seiner ermordeten politischen Feinde suchten ihn heim.“
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• 1206 • 
Der kastilische Geistliche Dominikus gründete im frühen 13ten Jahrhundert den Dominikaner-Orden. Dieser wurden in der Folgezeit zum Wächter über die Reliquien der Maria Magdalena. 
Aufschlussreich ist dass eine „ufologische“ Manifestation zu einem Klosterbau führte: 
An ihrem Festtag soll Dominik im Jahr 1206 die Vision eines Feuerballs gehabt haben, der über einem ihr gewidmeten Heiligtum auf einem Hügel bei dem Dorf Prouille im Himmel hing. 
Er sah darin ein Zeichen Gottes und gründete auf diesem Hügel ein paar Monate später das erste Kloster des Dominikanerordens, das er der Schirmherrschaft Maria Magdalenas unterstellte.“ [S. 260]

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